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Wir brauchen mehr Mut beim Klima- und Umweltschutz


Habemus Christbaum! Nun hat Weihnachten auch offiziell unsere Bundeshauptstadt erreicht: Seit Dienstag schmückt eine 28 Meter hohe Kärntner Fichte den Wiener Rathausplatz, denn schließlich wird schon kommende Woche der traditionelle Christkindlmarkt eröffnet: Eislaufen, ein heißer Orangenpunsch, warme Maroni und handbemalter Christbaumschmuck. Und? Kommt bei Ihnen schon Weihnachtsstimmung auf? Bei mir nicht. Das aktuell viel zu milde Wetter hinterlässt eher das mulmige Gefühl, dass da irgendetwas nicht stimmen kann.


Auf den heurigen Hitzesommer folgten im Herbst Überschwemmungen, Murenabgänge, Felsstürze und Orkanböen und in anderen Teilen des Landes wiederum ungewöhnlich warme Tage. Vor allem Kärnten leidet immer noch unter den Folgen schwerer Überflutungen, das Hochwasser hinterließ Tausende Haushalte ohne Strom. Und das nicht zum ersten Mal, denn: Immer öfter gibt es auch hierzulande beunruhigende Wetterextreme, die uns zu denken geben sollten. Tun sie aber offenbar viel zu wenig, denn beim Thema Klima-, aber auch Umweltschutz herrscht nicht selten Mutlosigkeit.


Prognosen werden zu Tatsachen Bereits seit Jahrzehnten wissen wir, dass wir handeln müssen, wenn wir den stetig fortschreitenden Klimawandel aufhalten wollen. Experten warnen in regelmäßigen Abständen vor möglichen Schreckensszenarien, sollten wir nicht bald eine 180-Grad-Wendung unternehmen. Inseln verschwinden von der Landkarte, Tierarten sterben mangels verfügbarem Lebensraum aus und Trinkwasser wird zum kostbaren Luxusgut. Passiert ist - trotz der eindringlichen Warnungen - dennoch bisher viel zu wenig. Das dumpfe Wissen um den Klimawandel wird von Ohnmacht und Bequemlichkeit in den Hinterkopf verdrängt und Prognosen werden schleichend zu Tatsachen.

Dabei war der Jubel groß, als die Delegierten bei der Klimakonferenz 2015 in Paris zu der gemeinsamen Einigung fanden, dass die globale Erderwärmung auf 1,5 Grad beschränkt werden soll. Medienvertreter versprachen einen „Durchbruch der Klimapolitik“. Der positive Ausblick ist heute allerdings deutlich abgekühlt - und die Hoffnung, dass die Erderwärmung in den Griff bekommen werden kann, schwindet selbst bei den optimistischsten Klimaexperten.


Brauchen wir wirklich einzelne, plastikverpackte Bananen? Dabei braucht es für einen ersten Umdenkprozess keine Neuerfindung der Welt. Es geht auch darum, irgendwo anzufangen. Man könnte für das Erste hinterfragen, ob wir auch ohne einzeln in Plastik verpackte Bananen im Supermarktregal überlebensfähig sind oder warum eine Zugkarte in den Urlaub mehr kostet als ein Ticket mit dem Billigflieger. Oder warum wir Schmutzwäsche mit Trinkwasser und nicht mit Nutzwasser waschen müssen. Oder ob es nicht andere Maßnahmen viel schneller und dringender gebraucht hätte als die Tempo-140-Teststrecke.


Vielleicht ist es an der Zeit, endlich auch umweltpolitische Leuchtturmprojekte in Angriff zu nehmen, um zu signalisieren, dass der Regierung der Ernst der Lage bewusst ist. Jetzt nichts zu tun wäre nichts weniger als ein Verbrechen. Es ist zudem keine Schande, als kleiner Staat vorzupreschen und als umweltpolitischer Vorreiter international zu punkten. Denn: Mittlerweile ist fast jedem bewusst, dass die Zeit drängt.


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