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Kneissl-Knicks: Höflichkeit oder ein No-Go?

In Zeiten des anhaltenden, politischen Sommerlochs ist die Hochzeit von Außenministerin Karin Kneissl ein gefundenes Fressen für mediale Berichterstatter. Für Schlagzeilen sorgte daher nicht nur das von einem Hundewurstproduzenten gesponserte Doch-Nicht- oder Doch-Gastgeschenk und das durchwegs positiv kommentierte Brautdirndl, sondern auch die anwesende, hochkarätige Polit-Prominenz unter den Hochzeitsgästen. Vor allem der angeblich völlig private Besuch des russischen Präsidenten Wladimir Putin in der idyllischen Südsteiermark sorgte für Diskussionsstoff.


So ging dieser heißen Sommertage ausgerechnet jenes Bild um die Welt, auf dem die Braut vor ihrem Tanzpartner nach einigen wenigen Walzer-Tanzschritten knickst. Soweit, so unspektakulär, wäre die Knicksende nicht ausgerechnet die Außenministerin jenes neutralen Vermittlerlandes, das aktuell den Vorsitz der EU-Ratspräsidentschaft innehat und der Beknickste nicht gerade jener umstrittene Staatschef, gegen dessen Land seitens der EU nach der völkerrechtswidrigen Krim-Annexion im Jahr 2014 wirtschaftliche Sanktionen verhängt und vor kurzem auch verlängert wurden.





New York Times: „Braut war ein Traum im Dirndl, aber Putin stahl ihr die Show“

Eine diplomatisch schwer verdauliche Unterwürfigkeit, ein Kniefall, der einen Rücktritt der gerade vermählten Außenministerin notwendig macht, sagen die einen, eine höfliche Etikette im Sinne eines sogenannten „tiefen Compliments“ als Zeichen guter Manieren auf einer privaten Feierlichkeit, sagen die anderen. Abseits dieser polarisierenden Debatte ist jedenfalls klar: Wladimir Putin versteht das politische Geschäft wie kaum ein anderer.

Die Bilder der Hochzeit, die wohlgeschnitten vom kremlnahen, russischen Sender RT in die Welt gesandt wurden, zeigen Putin, den Menschlichen, Putin, den gern gesehenen Gast und einen Putin, der dazugehört. Eine strategisch höchst clevere Inszenierung, die im krassen Kontrast zur europäischen Kremlkritik - Stichwort Krimkrise, Ostukraine, Syrien oder Pipelineprojekt - steht und signalisieren soll, dass Putin mit seiner Politik in Europa gar nicht so isoliert ist, wie die verhängten Wirtschaftssanktionen suggerieren sollen.


Wer mit dem Putin tanzt…

Ja, das verbreitete Bild der vor dem russischen Präsidenten knicksenden Außenministerin ist eines, das man sich besser hätte sparen können, zumal das damit verbundene, über die Grenzen hinausgehende Echo durchaus absehbar war. Ein von Russland geschickt genützter Patzer, wenn man so will. Daraus aber ein allegorisches Zeichen der Unterwürfigkeit und Knierutscherei Österreichs rauslesen zu wollen und den Rücktritt Kneissls zu fordern, ist bei Weitem überzogen. Dafür braucht es hoffentlich doch etwas mehr als einen bloßen Knicks.


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