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Kein Kind entscheidet sich freiwillig für Kopftuch


Es hat ja schon fast Tradition - alle Jahre wieder entbrennt in regelmäßigen Abständen eine meist hitzig geführte Debatte rund um das Kopftuch. Für die einen ein Symbol der Unterdrückung der Frau, für die anderen ein Ausdruck der individuellen Religiosität, erregte auch am Ostermontag dieses Thema die Gemüter, als Vizekanzler und Sportminister Heinz-Christian Strache (FPÖ) eine seiner Klassiker-Forderungen in einem „Krone“-Interview wiederholte und ein Kopftuchverbot in Kindergärten und Volksschulen forderte, damit „die Mädchen in ihrer Entwicklung bis zum zehnten Lebensjahr geschützt sind und sich frei entwickeln und integrieren können“.


Schon vor rund einem Monat überraschte ausgerechnet die neue Wiener SPÖ-Landesparteisekretärin und Vertraute von Bald-Bürgermeister Michael Ludwig, Barbara Nowak (Bild unten), mit einer ähnlich lautenden, mutigen Forderung („In der Schule hat ein Kopftuch keinen Platz“), um kurz darauf von ihren Parteikollegen zurückgepfiffen zu werden.


„Es steht einer sozialdemokratischen Partei nicht gut zu Gesicht, Ausgrenzungspolitik zu betreiben“, schreibt ein Mitglied der Sektion 8 in einem offenen Brief. Eine seriöse Debatte um ein Verbot von Kopftüchern für Kindergarten- und Schulkinder über die Parteibuchgrenzen hinaus scheint - wie bei so vielen wichtigen Diskussionen - offenbar leider nicht möglich, zu verlockend ist die viel angenehmere Methode, einen Gedanken mittels Vorschlaghammer-Pauschalurteil der „Ausgrenzungspolitik“ zu zerschlagen.


Ein wichtiger Aspekt bleibt allerdings: In der Debatte rund um das Kopftuch bei Kindergarten- bzw. Schulkindern geht es nicht um Frauen, die selbst entscheiden können (und auch sollen), wann und wie sie ihre Religion ausleben möchten, sondern um unmündige Kinder, die in ihrem jungen Alter wohl kaum ernsthaft selbstbestimmt beschließen, dass ein Kopftuch zur Ausübung ihrer Religion unabdingbar sei, sondern vielmehr unter dem Einfluss fundamentalistischer Erwachsener stehen. Dass ein Kind, das noch nicht seine sexuelle Reife erreicht hat, sich mit einem Kopftuch vor möglichen geifernden Blicken von Männern schützen soll, tut in der Absurdität von kopftuchtragenden Kindern ihr Übriges.


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