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„Österreich entstand mit Sicherheit aus Mischung“

Diesmal drehte sich in unserem „Krone“-Polittalk (Video oben) alles um ein Jubiläum. Zum Thema „100 Jahre Republik: Dürfen wir Patrioten sein?“ hat krone.at einen Nachfahren der Monarchin Maria Theresia selbst geladen: Ulrich Habsburg-Lothringen diskutierte mit Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP), der SPÖ-Abgeordneten Muna Duzdar und Journalist Michael Fleischhacker. Moderiert wurde wie immer von krone.at-Kolumnistin Katia Wagner. Tenor der hochkarätigen Runde: Patriotismus muss natürlich erlaubt sein - aber er hat auch seine Grenzen. Die Dosis macht das Gift! Im Video oben finden Sie die Highlights der Diskussion - die gesamte Sendung können Sie hier ansehen.



Am 12. November 1918 wurde die Monarchie durch eine Republik ersetzt. Dieser Meilenstein in der österreichischen Geschichte wurde am Montag mit einem Staatsakt in der Wiener Staatsoper gebührend gefeiert. Für viele Österreicher war das Jubiläum ein guter Anlass, um zurückzublicken, sich mit der eigenen Identifikation und mit dem Heimatland auseinanderzusetzen und vielleicht auch stolz darauf zu sein, wie sich das Land entwickelt hat. Gemeinschaftsgefühl lässt die Menschen näher zusammenrücken. Doch Nationalstolz birgt auch Gefahren - das hat uns die Geschichte gelehrt.


„Nicht ausblenden, was vielfältig ist“ Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) stellte diesbezüglich gleich zu Beginn der Diskussion klar, dass Österreich „mit Sicherheit“ etwas sei, „das aus einer Mischung entstanden ist“. Und diese Mischung dürfe man auch keinesfalls leugnen - man solle „nicht ausblenden, was vielfältig ist“, sagte der ÖVP-Politiker und ehemalige Innenminister. „Heimat ist für mich die Vertrautheit der Strukturen. Auf das darf man auch durchaus stolz sein - daher ist der Patriot für mich auch positiv besetzt.“ Sobotka mahnte aber auch Vorsicht ein: „Wir projizieren im Patriotismus auf etwas. Selbst erbringen wir die Leistung ja nicht. Patriotismus ist etwas, das nicht prahlt. Nichts, das andere ins Eck stellt.“


„Österreich hat eine Pflicht, auf Osteuropa zuzugehen“ Ulrich Habsburg-Lothringen erklärte unter anderem, dass es „keine reinen Nationalstaaten“ gebe - denn: „An der Grenze findet immer ein Austausch statt.“ Die österreichische Kultur sei außerdem keine „reindeutsche“. Der Österreicher habe vielmehr „eine Pflicht, auf die Menschen in Osteuropa zuzugehen und ihnen zu helfen, wirtschaftlich voranzukommen“. Habsburg-Lothringen: „In einer Zeit, wo es nicht mehr aufwärtsgeht, versucht jeder, wie bei einem Hochwasser, aus seinem Haus zu retten, was geht.“



„Armut frisst die Demokratie“ Muna Duzdar (SPÖ) meinte: „Für mich ist Patriotismus, stolz zu sein auf positive Errungenschaften - und von denen hat Österreich sehr viel.“ Die Zweite Republik sei zwar geprägt „von einem Miteinander, einer Zusammenarbeit“. Aber: „Von dem Weg des Miteinanders kommt man ab. Wichtige Interessensvertreter bindet man nicht mehr ein.“ Der Sozialstaat sei die verlässlichste Garantie für die Demokratie, erinnerte die Sozialdemokratin. „Weil Armut frisst die Demokratie.“